Interview mit Milda Schott

Frau Milda Schott ist 1940 in Sibirien, Russland geboren. 1947 ist Sie mit ihrer Familie nach Kasachstan gezogen. Wie sie nach Deutschland gekommen ist, Wann und Was die Gründe dafür waren, hat sie uns im Folgendem Interview erzählt. 

Transkript

Lara: Herzlich Willkommen zu unserem Interview zum Thema, die Russland-Deutschen und ihr Weg nach Deutschland. Heute haben wir das Glück mit Milda Schott zu sprechen, eine Frau die eine bewegende Lebensgeschichte hinter sich hat. Von ihrer Kindheit in Sibirien, über ihre Erfahrung in Kasachstan bis hin zu ihrem Neuanfang in Deutschland. Sie hat viel erlebt und noch mehr für euch zu erzählen. Fangen wir ganz am Anfang an. Wie war Ihre Kindheit in Sibirien und was sind Ihre Erinnerungen an diese Zeit ?

Milda Schott: Ja, geboren bin ich 1940 vor dem Krieg in Sibirien. Von Sibirien kann ich nicht viel erzählen, nur ganz wenig vom Leben, weil ich als Kind zu klein war. 

Lara: Können Sie uns vielleicht erzählen, warum ihre Familie nach Kasachstan umziehen musste? 

Milda Schott: Ja, als der Krieg angefangen hat, musste mein Vater in die Arbeitsarmee und dort hat man gesagt, dass sie dort für die Soldaten die Gräber graben und arbeiten mussten. Und 1943 ist mein Vater dort gestorben, verhungert kann man sagen. Und meine Mutter ist mit uns zwei Kindern in Sibirien geblieben und ihre Eltern wurden schon früher zum Arbeiten nach Kasachstan geschickt und haben dort gelebt. 1947 ist meine Mutter mit uns zwei Kindern nach Kasachstan gefahren, zu ihren Eltern, weil es dort leichter zu leben wäre.

Lara: Wann und Warum hat ihre Familie und Sie entschieden nach Deutschland zu ziehen?

Milda Schott: Ja, in den 90er-Jahren sind viele Deutsche nach Deutschland gefahren, unsere Kinder sind auch gefahren, einer nach dem anderen und dann wollten wir auch nicht dort alleine bleiben, dann sind wir zu den Kindern gefahren. Und ich zum Beispiel habe mich hier gefühlt, wie Zuhause vom ersten Tag. Habe auch kein Heimweh gehabt nach Kasachstan. 

Lara: Die Hungersnot war ja in Russland zu dieser Zeit ein sehr großes Thema, haben Sie die Hungersnot erlebt und wie hat diese ihre Familie beeinflusst?

Milda Schott: Die Hungerzeit war für mich leicht, wir waren noch Kinder. Unsere Mutter musste arbeiten, auf zwei Arbeiten, dass sie uns versorgen konnte. Der Verdienst war ganz klein. Wir sind in die Schule gegangen, ich bin dann schon mit 16 auf die Arbeit gegangen und wollte nach der 8.Klasse weiterlernen. Es gab ja Abendschule, aber es ging nur im Sommer, es ging aber nicht im Winter, da ich den ganzen Tag draußen war und gearbeitet habe beim Straßenbau. Dort war es kälter als in Deutschland und wenn ich Abends in die warme Schule kam, in die Klasse, dann sind mir die Augen schon zusammengefallen, dann musste ich schmeißen, weil ich konnte ja dort gar nichts aufnehmen und lernen, wenn ich schlafe während der Stunden. Konnte ich nicht aushalten dort. Und dann bin ich auch gleich Arbeiten gegangen, dann bin ich mit 8.Klasse auch geblieben.

Lara: Als Sie dann anschließend nach Deutschland gekommen sind, was waren ihre ersten Eindrücke von Deutschland und haben Sie Ihr altes Leben in Kasachstan oder Sibirien vermisst?

Milda Schott: Ja, als wir nach Deutschland kamen, wir sind 1993 nach den Kindern fast als letzte gekommen von unserer Familie und es ist ein schönes Land. Alles konnte man kaufen und wir waren begeistert von dem Land. Man hat uns auch aufgenommen, Kinder haben Arbeit gefunden, alle sind Arbeiten gegangen und ja, so haben wir uns eingelebt und waren wir Zuhause. 

Lara: Zum Abschluss noch eine persönlichere Frage, die vielleicht auch die Jugend von Heute betrifft. Gibt es eine Botschaft die Sie der jüngeren Generation vielleicht mitgeben möchten, basierend auch auf ihre Lebenserfahrung und jetzt vielleicht auch auf Ihre Geschichte? 

Milda Schott: Was ich der jüngeren Generation wünsche oder weitergeben möchte. Das sie freundlicher einer zum dem anderen sind, mit Freunden, in der Familie, Geschwister. Einer dem anderen hilft, wenn jemand Hilfe braucht. Ja und das ist das Wichtigste, dass alle zusammenhalten.


Lara: Vielen Dank, dass Sie uns Ihre Geschichte erzählt haben. Ihre Erlebnisse und Erinnerungen geben uns einen Einblick in eine Welt ,die für viele von uns wahrscheinlich schwer vorstellbar ist. Wir danken Ihnen und hoffen das Ihre Botschaft viele Menschen erreicht und zum Nachdenken anregt

Clara-Fey-Schule Malmedyer Straße 2 53937 Schleiden 
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